Wie bleibt man in BALANCE?

Was Reframing von Stress und Achtsamkeit bedeuten, was damit möglich ist und wie wir mehr Achtsamkeit in unser Leben integrieren können, beschreibt der Artikel von Melanie Heinz aus dem Blickwinkel des Berufslebens. Dabei schöpft sie ihre Erkenntnisse aus einer langjährigen Berufserfahrung als Personalmanagerin sowie aus ihren Coachings und Begleitprogrammen für Fach- und Führungskräften. Kein Wunder also, dass sich unsere Wege erstmals 2018 an der Corporate Health Messe in Stuttgart kreuzten und unsere Zusammenarbeit auf der Basis „der Mensch im Mittelpunkt“ viel Spass macht.

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Acht von zehn Menschen empfinden ihr Leben als stressig, jeder Dritte steht unter Dauerdruck.

Stress ist in unserem Leben allgegenwärtig und er scheint ständig zuzunehmen. Als belastende Faktoren gelten äußere Faktoren, wie erhebliche Anforderungen an Flexibilität und Einsatzbereitschaft, Multitasking und Leistungsdruck, Personalengpässe, Überstunden, ständige Erreichbarkeit und zwischenmenschliche Konflikte. Vieles muss oft schnell gehen und gleichzeitig erledigt werden. Auch privat haben wir heute unzählige Verpflichtungen und wir bürden uns immer mehr auf. Eigene Erwartungen, überhöhte Ansprüche oder Versagensängste verstärken diese Stress auslösenden Faktoren.

Melanie Heinz, HR-Managerin, Kommunikationsberaterin, Trainerin und Coach, wurde u.a. von Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, einem der anerkanntesten Kommunikationspsychologen, ausgebildet. Sie verfügt über eine 20-jährige Berufserfahrung im Personalmanagement sowie in der Beratung und Begleitung von Fach- und Führungskräften großer DAX-Unternehmen und des Mittelstandes. Den Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden Trainings und Coachings zu den Themen Kommunikation und Konflikt, Gesundheitsmanagement und Achtsamkeit, Persönlichkeits- und Potenzialentwicklung sowie Change Management. Dabei steht der individuelle Mensch, als wichtigster Wertschöpfungsfaktor des Unternehmens, immer im Mittelpunkt.

Was ist Stress überhaupt?

Stress ist nichts anderes als eine natürliche Reaktion unseres Organismus. Als Reaktion auf besondere Belastungen versetzt sich der Organismus selbst in eine Art „Stresszustand“ und befähigt uns kurzfristig zu besonderer Leistungsfähigkeit. Der Körper schüttet Adrenalin aus, der Puls wird schneller, wir werden leistungsstärker und sind besser auf Herausforderungen vorbereitet. Das ist ganz normal und wichtig.

Warum zehrt uns aber so eine natürliche Reaktion aus?

Weil wir dem Stress zu lange ausgesetzt sind und keine Entspannungsphase folgt. Wenn wir wütend sind, atmen wir schneller. Macht etwas Angst, verspannen sich die Muskeln. Die inneren Organe werden ebenfalls von unseren Empfindungen beeinflusst. Wir verbrauchen unsere Energie schneller, als wir sie wieder auffüllen können. Kein Organismus kann permanent auf Hochtouren laufen. Kurzum – dauerhafter Stress ist schädlich für Körper und Seele! Auszeiten, in denen wir nichts leisten müssen, Zeiten in denen es still ist sind daher immens wichtig, um kreativ, leistungsfähig, gesund und glücklich zu sein.

Einen Großteil des Stresses in der heutigen Zeit können wir nicht vermeiden. Wir können jedoch lernen, besser oder anders damit umzugehen. Viele Menschen sehen sich dem Stress gegenüber hilflos ausgeliefert. Dem ist aber nicht so. Ziel ist es, den Stress aktiv und wirkungsvoll in den Griff zu bekommen und somit wieder in die eigene Handlungsfähigkeit zu gelangen. Deshalb ist es wichtig zu lernen, die eigenen Emotionen zu steuern und bewusst für Entspannung zu sorgen. Durch effektive achtsamkeitsbasierte Techniken, die im Achtsamkeitstraining vermittelt werden, können die Teilnehmer schädliche Belastungen entschärfen. Hier lernen sie, Schritt für Schritt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es werden Werkzeuge vermittelt, wie sie mit Stress, Ängsten und inneren Blockaden besser umgehen können und wie sie dadurch selbstbestimmt ihre Batterien aufladen können. Dazu passt der Spruch von Jon Kabat-Zinn, dem Entwickler des medizinischen Achtsamkeitstrainings MBSR: „Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen zu surfen.“ Zwei Komponenten sind dabei sehr wichtig. Erstens, den Stress zu akzeptieren, es ist, wie es ist. Zweitens, dem Stress achtsam zu begegnen und ihn umzuwandeln in positiven Stress (Eustress). Dabei helfen achtsamkeitsbasierte Entspannungstechniken und die Auseinandersetzung mit der inneren Einstellung, die bei der Entstehung von Stress eine wichtige Rolle spielt. Druck und Stress kommen nicht nur von außen, sondern auch von innen – von uns selbst.

Das ist leichter gesagt als getan. Die meisten Menschen haben den Wunsch nach weniger Stress und mehr Ruhe. Gleichzeitig ist es jedoch nicht leicht, einfach so das „Hamsterrad“ anzuhalten und nichts zu tun, sich Zeit und Raum zu nehmen, um sich selbst zu spüren. Wenn wir bewusst achtsame Auszeiten erleben, dann merken wir erst, wir laut es in unserem Kopf ist. Wir erleben unsere inneren Gespräche, die davon handeln, was noch zu tun ist, was gestern war, was morgen sein wird. Dabei sind wir überall, nur nicht im hier und jetzt. Und genau das ist der Schlüssel, um in Balance zu kommen. Die Reizüberflutung in der wir leben, macht uns blind für das Wesentliche. Nur wenn wir uns auf das für uns Wesentliche besinnen, können wir aktiv dafür sorgen, dass wir in Balance und damit glücklich und zufrieden sind.

Was heißt Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist die gesteigerte Form der Aufmerksamkeit, das heißt, ganz wach im gegenwärtigen Augenblick zu sein – ohne Wertung. Eine solche Haltung sich selbst und anderen Menschen gegenüber ermöglicht es, nicht länger das Opfer äußerer Umstände sein zu müssen. Vielmehr besteht in jedem Augenblick die Wahl, sich sofort innerlich mit dem gegenwärtigen Moment zu verbinden. So erwächst ein Gefühl der inneren Stärke und Gelassenheit – ganz gleich, wie wild die Stürme „im Außen“ toben.

Achtsamkeit ermöglicht einen Perspektivwechsel. Sie hilft, das Leben mit all seinen Herausforderungen nicht länger zu kategorisieren. Stattdessen betrachtet man einfach das, was gerade ist. Dadurch wächst die Freiheit, jenseits von gewohnten Mustern zu denken, zu empfinden und zu handeln. Der Kopf kommt zur Ruhe, das Gedankenkarussell hört auf sich zu drehen. Die positiven Wirkungen einer erhöhten Achtsamkeit sind äußerst vielfältig und durch wissenschaftliche Studien belegt. Eine gesteigerte Konzentration, Motivation, Kreativität und ein offener, flexibler Umgang mit Veränderungen sowie die Fähigkeit, fundierte und klare Entscheidungen zu treffen, sind nur einige davon.

Achtsamkeit ist damit auch insbesondere im Unternehmenskontext eine Investition in eine erfolgreiche Zukunft! Der wichtigste Wertschöpfungsfaktor eines Unternehmens sind gesunde und glückliche Mitarbeiter, denn nur so können sich Produktivität, Leistungsstärke und Innovationen entfalten.

Achtsame Führung hilft Führungskräften, auf die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt in Zeiten der Digitalisierung treffend zu reagieren. In Zeiten der Veränderung und Komplexität ist es enorm wichtig, Mitarbeiter achtsam und erfolgreich durch die Phasen der Veränderung führen zu können. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Mitarbeiterführung ist eine ausgeprägte Kompetenz zur Selbstführung. Mein Lehrer, der international anerkannte deutsche Kommunikationspsychologe Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, nennt es „Klarkommen mit sich selbst und anderen“.

Zu einer förderlichen Selbstführung gehören im Wesentlichen die Fähigkeiten, die eigenen Emotionen zu reflektieren, unbewusst wirkende Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster zu bemerken und diese steuern zu können sowie eine ausgeprägte kommunikative Kompetenz und Empathiefähigkeit. Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Gefühle, Werte und Motive sowie die Fähigkeit, sich in die Lage des Gegenübers hineinzuversetzen, macht es möglich, authentisch zu bleiben und situativ angemessen zu handeln. Der achtsame Umgang mit sich und den Mitarbeitern ist eine erfolgreiche Methode, dem steigenden Arbeitsdruck, den Herausforderungen der Digitalisierung und dem Multitasking entgegenzuwirken. Die Kommunikation wird klarer, die gegenseitige Wertschätzung spürbar und die Mitarbeiterzufriedenheit und damit einhergehender Erfolg sichtbar. Achtsame Führung sorgt für einen geringeren Krankenstand, ein besseres Betriebsklima und eine höhere Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Wie kann ich Achtsamkeit im Alltag umsetzen?

Erkennen sie, dass sie bestimmte Ereignisse nicht ändern können, jedoch ihre Haltung dazu. Bauen sie aktiv Momente der Achtsamkeit in ihren Alltag ein und schaffen sie sich regelmäßige Ruhezeiten. Nehmen sie eine Auszeit von ihrem Smartphone. Beobachten sie die Signale ihres Körpers. In Situationen, die sie stressen, sind mehrere kurze Entspannungspausen sinnvoll. Das können sie auf unterschiedlichen Wegen erreichen. Beispielsweise mit einer Atemübung, einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft oder mit Körperübungen. Gönnen sie sich diese Ruhepausen! Danach können sie die energiereichen Phasen viel produktiver nutzen. Sie erledigen viel mehr in einer kürzeren Zeit und sind in der Lage – wesentlich bewusster – kluge Entscheidungen zu treffen!

In BALANCE sein, heißt Glück und Zufriedenheit zu empfinden, ohne dass äußere Faktoren dafür nötig sind. Rufen sie sich den folgenden Spruch von dem amerikanischen Theologen und Philosophen, Reinhold Niebuhr, immer mal wieder ins Gedächtnis :“Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

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