Messbare Entspannungstechniken

Anspannung und Entspannung gehören zusammen wie Yin und Yang und sind dank der modernen Medizin auch messbar. In seinem Gastbeitrag erklärt der professionelle Leistungsdiagnostiker Henry Bucko wie über die Messung der sogenannten Herzratenvariabilität die Entspannungsfähigkeit exakt bestimmt werden kann und wie man sie mit einfachen Techniken kurz-, mittel- und langfristig verbessert.

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Wie Sie durch drei simple Techniken besser entspannen werden, als Ihr Yogalehrer

“Jetzt chill mal dein Lifestyle Papa!”. Dieser Satz stammt von einem 16-jährigen jungen Mann, der seinem Vater mitteilen will, dass dieser seinen stressigen Lebensstil mal gründlich überdenken soll. “Entspann dich doch einfach Papa, dann hast du auch viel weniger Stress.”

Leicht gesagt, schliesslich lastet auf den Schultern eines Teenagers weniger Druck als auf unseren. Etwa nicht? Oder hat Stress vielleicht gar nichts mit unserem Alter zu tun?

Henry Bucko ist Gründer und Inhaber von Stresspoint und führt als zertifizierter HRV-Professional für vegetative Leistungsdiagnostik Gesundheitsmessungen für Privatpersonen und Firmen durch. Durch die Produktionen von Wissen, stellt er ganzheitliche Gesundheit in Form von Onlinetrainings Menschen zur Verfügung, die ihre Gesundheit in die eigenen Hände nehmen wollen.

Definieren wir der Einfachheit halber zunächst einmal Stress. Ganz nüchtern betrachtet, ist Stress eine physiologische Reaktion unseres Organismus auf einen Stressor. Das bedeutet, dass alle möglichen Einflüsse dafür sorgen können, dass unser Körper eine Stressreaktion auslöst. Und was geschieht, wenn wir unseren Stress nicht abbauen? Richtig, es entsteht Anspannung, das physiologische Gegenteil von Entspannung.

Um gleich eines vorweg zu nehmen: Anspannung und Entspannung gehören zusammen wie Tom und Jerry, Yin und Yang oder das Amen in der Kirche. Das bedeutet, dass Anspannung weder gut noch schlecht ist, sondern je nach Situation eine andere Auswirkung auf unser Befinden hat.

Wenn wir beispielsweise einen spannenden Thriller schauen, ist eine gewisse Anspannung sogar erwünscht. Dass wir nach dem Thriller, genauso wie nach einer intensiven Krafteinheit, die bewusste Entspannung suchen und sie auch genießen wollen, versteht sich von selbst.

Wenn wir uns allerdings nach einem belastenden Arbeitstag zu Hause aufs Sofa hauen und uns auf Netflix berieseln lassen, ist dies noch keine Garantie dafür, dass wir auch wirklich entspannen können. Unser vegetatives Nervensystem, gewissermaßen unsere Hardware, entscheidet darüber, ob eine Tätigkeit als Anspannung oder Entspannung bewertet wird.

Physiologisch betrachtet entsteht Entspannung auf drei Ebenen: auf der muskulären, der mentalen und der respiratorisch Ebene (=Atmung). Dank der modernen Medizin lässt sich über die Messung der sogenannten Herzratenvariabilität exakt bestimmen, ob und wie gut wir jeweils entspannen können.

Wer seine Entspannungsfähigkeit nicht wissenschaftlich genau bestimmen lassen möchte, sondern sie nur verbessern will, kann bereits schon während dem Lesen dieses Artikel sehr viel dafür tun.

Die schnellste Möglichkeit um effektiv zu entspannen, ist unsere Bauchatmung. Dabei geht es nicht darum, nach einem bestimmten Muster, sondern vor allem frei und tief in den Bauch zu atmen.

Mittelfristig, also beispielsweise nach einem intensiven Arbeitstag, können wir über regelmässige Sporteinheiten dafür sorgen, dass unser Muskeltonus nachlässt. Dadurch entspannen wir effektiv und können uns zusätzlich über freigesetzte Glückshormone freuen.

Schließlich führt kein langfristiger Weg an unseren Gedanken vorbei. Diese dritte Ebene, gewissermaßen auch unser Unterbewusstsein, lässt sich nicht von heute auf morgen verändern. Trotzdem empfiehlt es sich, täglich oder wenigstens regelmäßig, eine gewisse mentale Hygiene zu pflegen. Beim Schreiben von Tagebüchern, regelmässigen Gesprächen mit Freunden oder bewussten Spaziergängen geht es immer darum, seine Gedanken hochkommen zu lassen um diese besser einordnen zu können. So schaffen wir die optimalen Voraussetzungen für ein entspanntes “Gedankenmilieu”.

Es kommt also doch nicht von irgendwo, dass ausgerechnet ein 16-Jähriger seinem vielbeschäftigten Vater den Rat gibt, seinen Lifestyle zu chillen. Schließlich setzen jüngere Menschen meist intuitiv um, an was wir Erwachsene regelmässig erinnert werden müssen: bewusst atmen, regelmässige muskuläre Betätigung und die Pflege unserer Gedanken. Ein entspannter Lebensstil ist daher nicht primär an unser Alter oder die Anzahl Yogaeinheiten pro Woche gebunden, sondern an die Bereitschaft in die eigene Entspannung zu investieren.

Let’s chill our lifestyle!

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